Der Himmel reißt auf.
Der Wind pfeift um die Ecken an diesem Nachmittag. Die Schneeflocken tanzen vom Himmel. Es ist alles grau in grau. Wird sie stattfinden, die Führung am Dach des Naturhistorischen Museums in Wien? Voll Entschlossenheit gehen Hubert und ich ins Museum und warten bis 16.00 Uhr auf die außergewöhnliche Führung am Dach des Museums mit Blick über Wien. „Vor einer Stunde war es noch fraglich“, sagte unser Kunstguide, „ob wir überhaupt hinauf können.“ 40 Personen zwängen sich durch ein kleines, ausgebautes Fenster. Ein Schritt – und wir stehen am Dach. Dann geschieht es. Der Himmel reißt auf. Blauer, strahlender Himmel. Es ist die sogenannte blaue Stunde am Abend. Der Wind hat sich gelegt. Wien liegt mir zu meinen Füßen. Dächer, Türme, ein weiter Blick bis zum Kahlenberg. Der Stephansdom vor meinen Augen. Ein paar Wolken sind geblieben, als Erinnerung an das Grau zuvor. Für einen Moment ist alles still. Alle sind ergriffen von diesem Schauspiel. Kameras werden gehoben, unzählige Bilder entstehen. Auch ich schaue nur durch meine Handy-Kamera – ein Motiv schöner als das Andere. Und doch weiß ich: Kein Bild kann festhalten, was dieser Augenblick bedeutet. Plötzlich bin ich ganz allein am Dach. Vielleicht ist es genau dieser Moment, der mir etwas sagen will: Nicht alles ist planbar. Nicht alles entscheidet sich sofort. Manchmal braucht es Geduld. Und manchmal – ganz unverhofft – reißt der Himmel auf. Nicht nur über einer Stadt. Sondern auch über uns.
Und dann bleibt nur eines: Staunen.

