Wie entsteht ein Kalligrafie – Bild?
Immer wieder werde ich gefragt, wie eine Kalligrafie entsteht und ob auch die Hintergründe von mir sind. Ja, natürlich. Alles, Hintergrund und Schrift kommt aus meiner Hand. Ein Bild braucht eine innere Vorbereitung.
Es können ganz unterschiedliche Gedankengänge sein: Eintauchen, spüren und sehen wie das Bild werden soll. Farben sortieren, Papiere auswählen. Es ist ein innerlicher Reifungsprozess, den nicht einmal ich vollständig ergründen kann. Es braucht seine Zeit. Kein Drängen, kein äußerer Druck. Frei sein und doch einen innerlichen Druck spüren. Es ist für mich ein großer Unterschied ob ich ein Bild für einen Auftrag, für eine Ausstellung oder einfach  nur so gestalte. Die Entstehung  darf nicht ewig dauern, innere Balance zu finden, ist nicht immer leicht.
Was meiner künstlerischen Seele überhaupt nicht bekommt, ist, wenn man zu mir sagt: „Wenn du mal Zeit hast, dann mach es.“ Das wäre dann so, als sei das Bild schon vergangen, bevor es begonnen hat. Und dann spüre ich: jetzt fange ich einfach an. Oft am späten Vormittag oder ab späten Nachmittag. Niemals am Morgen. Ich bereite alles vor und lege die Papiere auf. Sie dienen oft nur zum Einstimmen. Selten gelingt ein Hintergrund gleich beim ersten Versuch. Ich nenne diese Blätter „Opferpapiere“. Auch hochwertige Papiere finden manchmal ihren Platz, – in der Altpapiertonne. Unzählige Hintergrundbilder liegen am Boden. Eines von ihnen wird für das Bild ausgewählt, die anderen wandern in die  Schublade. Sie warten auf ihren Einsatz. Irgendwann – aber niemals wird dasselbe Bild daraus entstehen. Dann kommt der Text auf das Bild. Ich schreibe ihn vor, damit ich genau weiß, wie die Typografie wirken wird. Zum Vorschreiben nutze ich ein Stück vom gleichen Papier – aus Resten. Das ist für mich entscheidend: Ich spüre, wie der Text im Kleinen mit dem Papier harmoniert, welche Feder sich eignet – Spitzfeder oder Bandzugfeder. Immer wieder wird ausprobiert, getestet. Das gehört zum Entstehungsprozess eines Bildes dazu. Dann ziehe ich feine Linien mit dem Bleistift auf das Original. Und ich schreibe einfach los. Telefon aus, Tür zu – und ein Bild entsteht.
Und am Ende ist es mehr als Papier, Farbe und Feder. Es ist ein Ganzes, entstanden aus Geduld, auch Zufall und Intuition. Ein Stück meiner Welt, das plötzlich sichtbar wird – nur für einen Moment, nur für mich, und doch für alle, die hinschauen. Und das Bild erzählt seine eigene Geschichte.
Nur so, weil ich das Verlangen danach in mir spüre.